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EventCamping
11TEIL I – DIE GESCHICHTE

Österreich, Spielberg und der Ring

12 Minuten Lesezeit · Alle Kapitel

Der Grand Prix im alpinen Amphitheater

Es gibt Grand Prix, bei denen die Landschaft Kulisse bleibt. In Spielberg fährt sie mit.

Der Red Bull Ring liegt nicht neben einer Metropole und versucht auch nicht, eine zu imitieren. Seine Besonderheit ist fast das Gegenteil: internationale Hochtechnologie in einem kompakten alpinen Amphitheater aus Hängen, Wald, Bauernhöfen und Bergen. Die Strecke steigt, fällt und legt sich sichtbar in diese Landschaft hinein.

Sebastian Vettel beschrieb einen Vorteil, den Zuschauer sofort verstehen: „every grandstand offers a great view of the circuit.“ Formula 1 selbst hebt hervor, dass man von vielen Positionen große Teile der Strecke überblicken kann. Der Höhenunterschied zwischen tiefstem und höchstem Punkt beträgt mehr als 60 Meter. Carlos Sainz nannte die Kulisse einmal „one of the best backdrops at any circuit in the world.“

Der Österreich-Grand-Prix lässt sich deshalb präziser erzählen als mit der alten Formel von der ländlichen Gegend, die für ein Wochenende zur Stadt wird. Spielberg ist kein Ersatz für Monaco, Melbourne oder Singapur. Hier finden Alpenlandschaft, kurze Runde, ungewöhnliche Sichtachsen und Campingkultur zu einem eigenen Erlebnis zusammen.

Und dieses Erlebnis beginnt lange vor der Startampel. Schon die Geschichte des Österreichrings zeigt, warum Rennstrecke und Region hier nie sauber voneinander zu trennen waren.

1969: Aus dem Flugplatz wird eine Rennstrecke

1969 wurde der Österreichring eröffnet. Die offizielle Chronik des heutigen Red Bull Ring nennt das 1000-Kilometer-Rennen als erste große Inbetriebnahme der neuen Strecke. Joseph Siffert und Kurt Ahrens gewannen im Porsche 917. Helmut Marko tauchte im Gesamtklassement auf Platz acht auf.

Ein Jahr später kam die Formel 1.

Am 15. August 1970 erlebten mehr als 100.000 Zuschauer die Grand-Prix-Premiere auf dem Österreichring. Jochen Rindt holte die Pole Position, schied im Rennen aber mit Motorschaden aus. Wenige Wochen später starb er in Monza.

Diese frühe Phase des Österreichrings war eine Zeit, in der Rennstrecken anders funktionierten als heute. Es gab weniger standardisierte Besucherführung, weniger digitale Planung und weniger Komfort. Dafür gab es Nähe.

Menschen kamen mit Autos, Bussen, Zelten und Wohnwagen. Sie suchten Plätze in der Umgebung. Bauernhöfe, Wiesen und private Grundstücke wurden Teil eines Systems, das damals kaum jemand als eigene Branche bezeichnet hätte.

Eventcamping entstand nicht durch einen Masterplan.

Es entstand, weil Menschen da waren.

1970: Hunderttausend Menschen verändern einen Ort

Die Zahl von mehr als 100.000 Zuschauern beim ersten Formel-1-Grand-Prix auf dem Österreichring im Jahr 1970 ist leicht zu lesen.

Schwieriger ist es, sich vorzustellen, was sie für eine ländliche Region bedeutete.

Hunderttausend Menschen brauchen nicht nur einen Blick auf die Strecke. Sie brauchen Straßen, Essen, Getränke, Parkraum, Schlafplätze, Information – und Geduld.

Die Region rund um Spielberg verfügte damals nicht über eine für solche Mengen optimierte touristische Infrastruktur.

Deshalb entstand ein Teil der Lösung informell: private Zimmer, Bauernhöfe, Wiesen und improvisierte Gastronomie.

Diese Struktur ist für die Geschichte des Eventcampings entscheidend: Große Veranstaltungen erzeugen Märkte, bevor es für diese Märkte professionelle Kategorien gibt.

Zuerst kommt der Bedarf. Dann entsteht das Angebot. Und erst viel später bekommt das Angebot einen Namen.

Der Ring endet nicht an der Leitplanke

Eine große Rennstrecke besteht in der öffentlichen Wahrnehmung aus Kurven, Boxen und Tribünen. Aus Sicht einer Region ist das zu kurz gedacht.

Schon ein einziger Großevent verändert für mehrere Tage den Rhythmus einer ganzen Umgebung. Straßen werden voller. Tankstellen erleben Spitzen. Supermärkte verkaufen anders. Gasthäuser füllen sich. Private Zimmer werden vermietet. Wiesen werden Parkplätze. Und manche Wiesen werden zu Campingplätzen.

In Spielberg lässt sich diese Entwicklung besonders gut beobachten, weil die Rennstrecke eng in eine ländliche Struktur eingebettet ist. Anders als bei einem Stadion in einer Großstadt kann man zehntausende Menschen hier nicht einfach über U-Bahn-Linien verteilen.

Die Region wird Teil des Veranstaltungsgeländes.

Die Geschichte des Eventcampings in Spielberg ist deshalb immer auch eine Geschichte der Menschen, die rund um den Ring leben.

Zehntausende schlafen rund um den Ring

Wie groß dieser zweite Veranstaltungskreis ist, lässt sich zumindest punktuell beziffern. Für den Formel-1-Grand-Prix 2022 rechneten die Veranstalter mit knapp 40.000 Campinggästen rund um Spielberg. Das war keine Randgruppe, sondern eine temporäre Bevölkerung von der Größenordnung einer mittleren Stadt.

Vier Jahre später verzeichnete der Österreich-Grand-Prix 2026 insgesamt 320.000 Besuche über das Rennwochenende und damit einen neuen Rekord. Eine öffentlich belastbare Gesamtzahl ausschließlich für die Camper des Jahres 2026 wurde nicht veröffentlicht. Der historische Vergleich reicht trotzdem, um die Dimension zu verstehen: Camping ist in Spielberg kein Nebenprodukt des Grand Prix. Es ist ein wesentlicher Teil seiner Beherbergungs-, Verkehrs- und Fankultur.

Zehntausende Menschen auf Wiesen schlafen zu lassen bedeutet weit mehr als Betten ohne Wände zu organisieren. Dazu gehören Anreise, Sanitär, Strom, Müll, Orientierung, Sicherheit, Essen, Nachtruhe – und am Montag die Rückkehr der Fläche in den Alltag.

Die Organisation ist Teil des Produkts

Bei dieser Größenordnung verdient die Organisation rund um den Red Bull Ring ausdrücklich Anerkennung. Ein Rennwochenende mit hunderttausenden Besuchen in einem engen Tal funktioniert nur, wenn Veranstalter, Polizei, Rettung, Feuerwehr, Gemeinden, Verkehrsplaner und private Betreiber ihre Systeme aufeinander abstimmen.

Schon 2015 beschrieb McLaren-Rennchef Eric Boullier Spielberg als „immaculately organised and surrounded by stunning scenery“. Das ist eine bemerkenswerte Kombination: Die Landschaft wirkt selbstverständlich; die Organisation dahinter ist es nicht.

Red Bull und das Team von Projekt Spielberg haben damit etwas geschaffen, das bei guter Eventorganisation leicht übersehen wird: Der Gast sieht die Show. Er sieht selten die Monate an Verkehrs-, Sicherheits-, Programm- und Ablaufplanung, die notwendig sind, damit die Show überhaupt leicht aussieht.

Schnell, schön – und irgendwann zu gefährlich

Der ursprüngliche Österreichring galt als spektakulär schnell. Gleichzeitig zeigte sich immer deutlicher, dass die Sicherheitsanforderungen des modernen Motorsports mit dem alten Layout kollidierten.

1975 starb Mark Donohue nach einem schweren Unfall. Danach wurde die Hella-S-Kurve eingebaut, um die Strecke zu entschärfen.

1987 musste der Formel-1-Grand-Prix nach Startunfällen mehrfach neu gestartet werden. Danach verschwand die Königsklasse für Jahre vom Österreichring.

Für die Region bedeutete das mehr als eine Änderung im Sportkalender. Wenn eine Großveranstaltung verschwindet, verschwindet auch Nachfrage. Zimmer bleiben frei. Campingflächen werden nicht gebraucht. Gastronomie verliert Umsatz. Temporäre Arbeitsplätze entfallen.

Die Geschichte einer Rennstrecke ist deshalb immer auch eine Geschichte wirtschaftlicher Wellen.

Wenn der Magnet verschwindet

Für eine Region ist ein Grand Prix ein ungewöhnlicher Wirtschaftsmotor. Er läuft nicht täglich. Er läuft wenige Tage. Aber in diesen wenigen Tagen konzentriert sich enorme Nachfrage.

Gerade deshalb ist der Ausfall eines solchen Ereignisses spürbar.

Als die Formel 1 nach 1987 zunächst verschwand und nach 2003 erneut eine lange Pause begann, wurde sichtbar, wie abhängig manche touristischen Leistungen von einem einzelnen Kalendertermin sein können.

Diese Erfahrung gehört zur Zukunftsstrategie von Spielberg.

Denn selbst ein bis 2041 gesicherter Grand Prix sollte nicht dazu verleiten, sämtliche Investitionen nur auf ein einziges Wochenende auszurichten.

Eine robuste Destination sucht nach Mehrfachnutzung. Infrastruktur, die auch bei MotoGP, Konzerten oder regionalem Tourismus funktioniert, ist widerstandsfähiger als eine Lösung, die nur für drei Tage im Jahr Sinn ergibt.

1996: Der A1-Ring

Mitte der 1990er-Jahre begann ein Neustart. Der Österreichring wurde tiefgreifend umgebaut, verbreitert, verkürzt und mit größeren Auslaufzonen versehen. 1996 öffnete der A1-Ring.

Die Motorrad-Weltmeisterschaft war die erste Großveranstaltung auf dem neuen Kurs. Ein junger Valentino Rossi stand dabei in der 125-cm³-Klasse erstmals in seiner Karriere auf einem WM-Podium.

1997 kehrte die Formel 1 zurück.

Für Spielberg begann damit eine zweite Phase großer internationaler Motorsportwochenenden. Die Welt hatte sich inzwischen verändert. Camping war professioneller geworden. Wohnmobile waren komfortabler. Reisen wurden planbarer.

Und gleichzeitig blieben viele der alten Muster bestehen: Freunde reisten gemeinsam an, Wiesen wurden zu temporären Dörfern, und die Nacht vor dem Rennen gehörte weiterhin zum Erlebnis.

Stillstand und Wiedergeburt

2003 fand vorerst der letzte Formel-1-Grand-Prix am A1-Ring statt. Nach Saisonende begannen Abrissarbeiten. Das geplante Großprojekt rund um die Strecke geriet in rechtliche und politische Auseinandersetzungen. Teile der Anlage lagen jahrelang brach.

Für Menschen, deren Betriebe vom Motorsport lebten, war diese Phase ernüchternd. Eine Region lernt in solchen Jahren, wie schnell eine vermeintliche Selbstverständlichkeit verschwinden kann.

Am 15. Mai 2011 wurde der neue Red Bull Ring offiziell präsentiert. Nach mehreren Jahren Planung und Bau entstand aus dem stillgelegten Areal erneut ein internationales Motorsportzentrum. 2013 bestätigte die Formel 1 ihre Rückkehr nach Österreich; 2014 fand erstmals seit 2003 wieder ein Grand Prix in Spielberg statt.

Die Rückkehr brachte die Region wieder auf die internationale Landkarte. Hotels, Pensionen, Gastronomie, Campingplätze und Dienstleister wurden erneut Teil eines weltweiten Reisestroms.

Nur war dieser Reisestrom inzwischen digital. Fans kamen über Online-Ticketshops, Social Media, Reiseportale und internationale Fangruppen. Spielberg wurde zu einer global vermarkteten ländlichen Destination.

Ein Dank an Dietrich Mateschitz

An dieser Stelle gehört ein Name nicht nur in die Chronik, sondern in einen ausdrücklichen Dank: Dietrich „Didi“ Mateschitz. Ohne seine Beharrlichkeit gäbe es den Red Bull Ring in seiner heutigen Form nicht – und damit auch nicht jenen touristischen Resonanzraum, von dem Spielberg und das Murtal heute leben.

Die offizielle Geschichte des Red Bull Ring beschreibt die Vision von Projekt Spielberg schon 2004 breiter als den reinen Betrieb einer Rennstrecke: Es ging darum, eine moderne Strecke zu schaffen und zugleich das Potenzial rundherum besser zu nutzen. 2011 wurde der Red Bull Ring eröffnet, 2014 kehrte die Formel 1 zurück.

Für uns, deren Familie seit den frühen Österreichring-Jahren Gäste am Hof aufgenommen hat, ist diese Entwicklung nicht abstrakt. Der Ring brachte die internationale Bühne zurück – und mit ihr Investitionen, Arbeitsplätze, Gäste, neue Qualitätsansprüche und die Chance, Motorsport mit regionaler Gastfreundschaft zu verbinden. Dafür gebührt Dietrich Mateschitz aus unserer Sicht Dank.

Bemerkenswert ist, dass diese Logik heute nicht am Streckenzaun endet. Rund um den Ring und im Murtal stehen Häuser wie der Schönberghof Spielberg, das Steirerschlössl, Schloss Gabelhofen, das G’Schlössl Murtal, der Hofwirt und der Wasserturm für eine touristische Entwicklung, die Motorsport mit Hotellerie, Gastronomie und regionalem Erlebnis verbindet. Der 2026 erweiterte Schönberghof macht diese Verbindung besonders sichtbar: Hotel, Kulinarik und Panorama über Rennstrecke und Murtal werden selbst zum Produkt.

Die Lehre daraus ist größer als Motorsport: Ein internationales Event erzeugt Aufmerksamkeit. Dauerhafte Wertschöpfung entsteht erst, wenn eine Region aus dieser Aufmerksamkeit Orte, Leistungen und Gründe zum Wiederkommen baut.

Orange wird zur zweiten Landesfarbe

In den vergangenen Jahren bekam diese Entwicklung eine besonders sichtbare Farbe: Orange.

Mit Max Verstappens Aufstieg entstand rund um Red Bull Racing eine gewaltige niederländische Fanbewegung. Der Österreich-Grand-Prix wurde für viele Besucher aus den Niederlanden zu einer Art zweitem Heimrennen. Camping spielt dabei eine zentrale Rolle: gemeinsam anreisen, gemeinsam wohnen, gemeinsam feiern und gemeinsam zur Rennstrecke gehen.

Die Orange Army als Nachfrageexperiment

Die niederländische Fanbewegung zeigt, wie schnell sich ein etablierter Markt durch eine Identifikationsfigur verändern kann.

Ein Campingplatz kann jahrzehntelang mit relativ stabiler Herkunftsstruktur arbeiten – und plötzlich wächst eine Nationalität deutlich stärker als andere.

Das wirkt auf Sprache, Buchungszeitpunkte, Gruppengrößen, Fahrzeuge, Gastronomie und Atmosphäre.

Aus Sales-Sicht ist das zunächst ein Geschenk. Eine klar erkennbare Zielgruppe lässt sich gezielt ansprechen.

Aus strategischer Sicht ist es gleichzeitig ein Warnsignal. Je stärker Nachfrage an eine Person gekoppelt ist, desto größer das Konzentrationsrisiko.

Spielberg sollte die Verstappen-Jahre deshalb nicht nur als Verkaufsphase betrachten. Sie sind ein Zeitfenster für Community-Aufbau.

Wer heute zum ersten Mal wegen eines Fahrers kommt, kann morgen wegen Freunden, Ritualen und Ortsbindung wiederkommen.

Hier kippt Ereignismarketing in Tradition.

Wer in Spielberg an einem Formel-1-Wochenende über die Campingflächen blickt, erkennt daran, wie ein einzelner Sportler die Besucherstruktur einer ganzen Region verändern kann.

Doch diese Erfolgsgeschichte trägt bereits die nächste Frage in sich. Was geschieht, wenn Verstappen irgendwann nicht mehr fährt? Bleiben die niederländischen Gäste? Oder wandert ein Teil der Nachfrage mit der Identifikationsfigur ab?

Das Ende des Dutch Grand Prix in Zandvoort nach 2026 macht diese Frage noch interessanter. Kurzfristig könnten Auslandsrennen für niederländische Fans sogar wichtiger werden. Langfristig wird sich zeigen, ob aus der Verstappen-Bewegung eine dauerhafte niederländische Formel-1-Reisekultur entstanden ist.

Für Campingbetreiber ist das ein Lehrstück: Man sollte von einer Welle profitieren. Aber man sollte nie glauben, dass eine Welle für immer bleibt.

Spielberg als Labor

Heute ist Spielberg für Eventcamping ein außergewöhnlich gutes Labor. Hier treffen eine traditionsreiche Rennstrecke, eine ländliche Region, internationale Großevents, private Campingplätze, Familienbetriebe, professionelle Veranstaltungslogistik, Partyflächen, ruhige Plätze, Wohnmobile, Zelte, Glamping und Gäste aus ganz Europa aufeinander.

Deshalb eignet sich Spielberg für dieses Buch nicht nur als Heimatgeschichte. Es ist ein Beispiel dafür, wie eng Motorsport, Tourismus und Camping miteinander verwoben sein können.

Und an kaum einem Ort lässt sich diese Geschichte persönlicher erzählen als am Schitterhof.

Ein Planungshorizont bis 2041

Für Spielberg kommt ein strategischer Vorteil hinzu, den Campingbetreiber an vielen Rennstrecken nicht besitzen: ungewöhnlich hohe Planungssicherheit.

Formula 1 und der Promoter haben den Österreich-Grand-Prix langfristig bis einschließlich 2041 abgesichert. Für eine Branche, deren Infrastruktur oft nur an wenigen Wochenenden im Jahr Umsatz erzeugt, ist ein solcher Zeithorizont enorm wertvoll.

Denn Investitionen in Sanitär, Strom, Boden, Wege, digitale Buchungssysteme oder hochwertige Unterkünfte rechnen sich anders, wenn ein Betreiber nicht jedes zweite Jahr fürchten muss, dass das wichtigste Event verschwindet.

Planungssicherheit ist allerdings nicht dasselbe wie Nachfragesicherheit.

Der Grand Prix kann bis 2041 bleiben und die Gästestruktur trotzdem völlig anders aussehen. Fahrer wechseln. Nationalitäten gewinnen oder verlieren an Bedeutung. Komfortansprüche verändern sich. Nachhaltigkeitsregeln werden strenger. Neue Mobilitätsformen entstehen.

Spielberg hat deshalb ein seltenes Zeitfenster: Die Veranstaltung ist langfristig abgesichert, während das Produkt rund um sie noch stark veränderbar ist.

Was man mit fünfzehn Jahren Planungssicherheit anfangen kann

Ein Vertrag bis 2041 ist im Eventgeschäft ungewöhnlich lang.

Er eröffnet einen Horizont, in dem Infrastruktur nicht ausschließlich als Kostenblock des nächsten Jahres betrachtet werden muss.

Stromnetze lassen sich stufenweise entwickeln. Sanitäranlagen können auf Mehrfachnutzung ausgelegt werden. Digitale Buchungsdaten können über Jahre vergleichbar werden. Mitarbeiterwissen lässt sich systematisieren.

Dabei ist die wichtigste Regel vielleicht, nicht jede Zukunftsinvestition mit Beton zu verwechseln.

Gerade im Eventcamping kann Modularität wertvoller sein: mobile Sanitärlösungen, temporäre Strommodule, rückbaubare Wege, flexible Glamping-Einheiten und digitale Systeme, die skalieren.

Die Zukunft einer Wiese muss nicht darin bestehen, dass sie aufhört, Wiese zu sein.

Strategisch interessanter als die Frage, ob es in zehn Jahren noch Formel 1 in Spielberg gibt, ist eine andere:

Sie lautet: Welche Form von Camping wird die Formel 1 in Spielberg im Jahr 2036 brauchen?

Strategischer Vorteil Spielberg: Ein F1-Vertrag bis 2041 erlaubt langfristigere Investitionen. Die eigentliche Unsicherheit liegt nicht im Event selbst, sondern in Zielgruppen, Komfort, Mobilität, Regulierung und Fanverhalten.

Marketing-Transfer

Die Destination ist Teil deines Produkts.

DAS PROBLEM
Ein einzelner Campingplatz kann perfekt funktionieren und trotzdem unter Stau, schlechter Orientierung oder einem schwachen Gesamteindruck der Region leiden.
WAS DAHINTERSTECKT
Gäste erleben Grundstücksgrenzen kaum. Für sie gehören Ring, Zufahrt, Camping, Gastronomie und Umgebung zu einem Wochenende.
DER HEBEL
Dort kooperieren, wo der Gast ohnehin nur ein Gesamterlebnis wahrnimmt.
IN DER PRAXIS
Verkehr, Orientierung, Sicherheit und Basisinformation gemeinsam denken. Differenzierung gehört in Atmosphäre, Service und Produkt – nicht in widersprüchliche Wegweisung.
WORAN MAN ES MERKT
Weniger Reibung bei An- und Abreise, bessere Gesamtbewertungen und mehr Gäste, die nicht nur zum Rennen, sondern später auch in die Region zurückkehren.

Der Gast bucht einen Platz. Er erinnert sich an Spielberg.